Das denkmalgeschützte Haus Seiffener Weg 10 ist ein typisches kleines Wohnstallhaus des oberen Ergebirges. Inmitten von Wiesen und oberhalb eines kleinen Bachlaufes gelegen, halb in den Hang gebaut und von einem großen Dach bekrönt, fügt es sich in die Landschaft des Seiffener Spielzeugwinkels.
Das Haus wurde um 1800 errichtet und ist weitestgehend in seiner ursprünglichen Anlage und Aufteilung erhalten geblieben. Es ist ein Zeugnis der sozialen und baulichen Bedingungen im oberen Erzgebirge und ein typisches “Arzgebirgshaisl”.
Bau- und Nutzungsgeschichte
1811 bis 1955:
Die Geschichte des Hauses lässt sich bis in das Jahr 1811 zurückverfolgen, als es das erste Mal als Besitztum eines Herrn Johann Christian Zimmermann erwähnt wird. Es ist anzunehmen, dass er das Haus nicht selbst errichtet, sondern lediglich erworben und auch nicht selbst bewohnt hat. Aus seinem Nachlass geht hervor, dass er umfangreiche Besitzungen im Niederseiffenbacher Tal erwarb und sicherlich als Großgrundbesitzer bezeichnet werden darf. Welchem Zweck das Gebäude im Kontext seiner Erwerbungen zu diesem Zeitpunkt diente, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich.
Das Haus stellt prinzipiell eines der typischen kleinen Wohnstallhäuser von Handwerkern dar, die am Kamm des Erzgebirges häufig zu finden waren und noch immer zu finden sind. Aufgrund der armen Lebensumstände und der harten Winter vereinten diese Häuser Viehhaltung, oft nur mit einer einzelnen Ziege, und Wohnen unter einem Dach, wobei sie oft nur über ein Erdgeschoss verfügten. In diesem grenzte ein mittig gelegener Flur diese beiden elementaren Funktionen voneinander ab.
Dieses typische Schema findet sich auch im Haus Seiffener Weg 10. Ein Blick auf den Grundriss zeigt rechts des Flures (D) den Bereich der Stube (A) und links des Flures den ehemalige Stallbereich (B und C). Dieser wurde wahrscheinlich bereits im 19. Jahrhundert verändert und offenbar verkleinert, sodass nur noch der Bereich des heutigen Bades (C) als Stall diente. Im davor liegenden Raum (B) war vielleicht eine Werkstatt eingerichtet. Der mutmaßlich ursprünglichste und älteste Raum ist durch dicke Mauern von allen anderen Räumen getrennt und als einziger gewölbt: die schwarze Küche (D). Einst wurde von dort der Ofen der Stube befeuert und über offenem Feuer gekocht, weswegen der Raum von einer dicken Rußschicht überzogen ist.
Hier erscheint in Kürze ein fabelhaftes Bild.
Über die Treppe im Flur gelangt man ins Obergeschoss, wo von einem großen Flur (E) drei Kammern abgehen (F1-F3). Die Kammern waren einerseits Schlafkammern, andererseits wahrscheinlich auch Lagerfläche für Material und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Der am Flur abgehende Abort-Erker wurde erst in den 1930er-Jahren errichtet und im Rahmen der Neudeckung des Daches abgetragen, da seine Substanz nicht zu halten war. Ursprünglich befand sich ein vergleichbarer Erker an der Giebelseite des Raums F3, wo er über dem Stallteil hing, sodass Exkremente direkt auf den Misthaufen fielen. Eine Jauchegrube gab es noch nicht. Ebenso aufschlussreich für die Lebensumstände der Vergangenheit ist die Tatsache, dass die Schlafkammern über keinerlei Ausfachung im Giebelfachwerk verfügten, sodass Außen- und Innentemperatur stets nahezu identisch gewesen sein dürften. Über den Kammern befindet sich der geräumige Spitzboden, der die gesamte Länge des Hauses einnimmt. Er dürfte der Lagerung von Brennholz und Heu gedient haben. In diesen Zusammenhängen von Räumen und Funktionen dürfte das Haus über mehr als 120 Jahre genutzt worden sein, wobei es im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer wechselte.
Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Haus schließlich in den Besitz der Familie Haustein, die es über mehrere Generationen bewohnte. Dokumentiert ist, dass der letzte Besitzer aus der Familie Haustein als Schneider und Spielzeugmacher tätig war und in äußerst ärmlichen Verhältnissen lebte. Aus den Bauunterlagen geht hervor, dass sich seine Witwe nicht einmal die erforderlichen Gebühren bei der Bauaufsichtsbehörde leisten konnte, um die nachträgliche Genehmigung für die Errichtung eines neuen Aborterkers zu erhalten. Diese wirtschaftlich prekären Umstände sind typisch vom Zeitpunkt der Erbauung bis in die 1920er-Jahre für das Milieu kleiner Handwerker der erzgebirgischen Hausindustrie. In Seiffen handelt es sich dabei zumeist um Spielzeugmacher, da der kleine Ort, heute vor allem für seine Weihnachtsartikel bekannt, einstmals ein Zentrum der Spielwarenherstellung in Europa war. Die Produzenten der Artikel befanden sich jedoch am unteren Ende der Nahrungskette, da sie von den Verlegern, die die Artikel in alle Welt vertrieben, im Regelfall mit Hungerlöhnen abgespeist wurden. So sind auch die Häuser der Spielzeugmacher aufs Äußerste reduziert und funktional begründet und so charakteristischer Ausdruck der Kulturlandschaft des oberen Erzgebirges.
1955 bis 2022:
Im Jahr 1955 wurde das Haus von der Witwe Haustein an eine Dresdner Familie verkauft. Die nachfolgende Nutzung als reines Ferienhaus erklärt den sehr ursprünglichen Erhaltungszustand des Gebäudes, da man baulich kaum etwas Relevantes veränderte.
seit 2022:
Das Haus wird heute als Vereinshaus der Untergruppe „Baukultur im Erzgebirge“ im Sächsischen Heimatschutzverein genutzt. Langfristig ist die Etablierung einer Bauberatungsstelle, die sich im Besonderen der Baukultur und Hauslandschaft des oberen Erzgebirges widmet, vorgesehen. Derzeit ist es jährlich zum Tag des offenen Denkmals und auf Anfrage zu besichtigen.
Am Haus begann 2022 zudem die grundlegende, aber behutsame Instandsetzung, die den Charakter des Hauses und seinen Denkmalwert erhalten und weiterentwickeln will. Als wichtigste Maßnahme stand zu Beginn die Neudeckung des Daches an. Aufgrund mehrerer offener Stellen in der Dachhaut, die bereits zu Schäden am Dachstuhl geführt hatten, musste diese möglichst schnell umgesetzt werden. Sie erfolgte als Schieferdeckung in kleiner Schablone.
Weiterhin entstanden die ersten Kammhaus-Seminare, die der Vermittlung handwerklichen Wissens dienen. Geplant sind weitere Seminare in dieser Reihe zu den verschiedenen Sanierungsschritten. Mehr dazu erfahren Sie unter dem Reiter „Seminare“.

Künftige Nutzung

Das Haus soll als Vereinshaus und während seiner Bauzeit als Modellbaustelle zur Vermittlung handwerklichen Wissens genutzt werden. Langfristig ist die Etablierung einer Bauberatungsstelle, die sich im besonderen der Hauslandschaft des oberen Erzgebirges widmet, vorgesehen. Derzeit ist es jährlich zum Tag des offenen Denkmals und auf Anfrage zu besichtigen.
