Der Verein

Vereinsziel

Als Untergruppe „Baukultur im Erzgebirge“ im Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. wollen wir dazu beitragen, die für das Erzgebirge typische Architektur zu erhalten und dieses Erbe in der gegenwärtigen Baukultur unseres besonderen und charakteristischen Landstrichs fortzuschreiben. Angelpunkt unserer Aktivität ist das Kammhaus Seiffener Weg 10 in Heidersdorf, wo wir im Rahmen der Instandsetzung des Hauses typische Handwerkstechniken, Materialien und Gestaltungsweisen des Erzgebirges anwenden und an Interessierte vermitteln.
Darüber hinaus widmet sich unsere Gruppe dem baulichen Erbe und der baulichen Zukunft der gesamten Region. Unser Hauptaugenmerk bildet dabei die Baukultur in den Hochlagen – am Kamm des Erzgebirges. Auch hierbei liegt unser zentrales Anliegen im Vermitteln von Wissen um Handwerk, Material und Gestaltung, kurz gesagt: in der Vermittlung der Eigenart der Bauten des Erzgebirges. Diese Bauten können sowohl denkmalgeschützte oder auch nicht-denkmalgeschützte Altbauten sein. Doch auch innovative Neubauten, deren Eigenart anzeigt, dass sie im Erzgebirge errichtet wurden, können Teil der Betrachtung werden. Unser Interesse gilt demnach dem gesamten Bauen im Erzgebirge, wobei unser Schwerpunkt auf den Wohnbauten liegt, deren schiere Zahl auf besondere Weise das Gesicht einer Region prägt und Geschichte und Kultur ihrer Bewohner anzeigt. So ist es eine zentrale Aufgabe unseres Vereins wesentliche baukulturelle Erscheinungen über das Erzgebirge, insbesondere in den oberen Lagen, hinweg zu identifizieren, zu dokumentieren und bekannter zu machen, um sie zu erhalten oder in neuen Projekten umzusetzen.

Zu Beginn wird unser Schwerpunkt sicher auf dem Haustypus liegen, der den Erzgebirglern wohl am ehesten als erzgebirgisch erscheinen dürfte: das „Arzgebirgshaisl“, das eingeschossige Wohnstallhaus aus den Gebirgsdörfern am Kamm. Dort, in den höchsten Lagen, findet es sich noch heute häufig als charakteristischer Haustyp, der die Dörfer ursprünglich flächendeckend prägte. Das Haus Seiffener Weg 10 ist ein klassisches Beispiel dieses Haustyps.

Unsere Gruppe befindet sich noch ganz am Anfang und wird in der kommenden Zeit weitere Projekte entwickeln. Die Kammhaus-Seminare rund um das Kammhaus Seiffener Weg 10 sind unsere ersten größeren und dauerhaften Projekte. Im Jahr 2024 konnte das erste dieser Seminare gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Denkmalpflege und Entwerfen an der TU Dresden stattfinden. Die Seminare begleiten das Haus durch den Prozess seiner bewusst langsamen und sehr rücksichtsvollen Instandsetzung, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert und von der Oberen Denkmalschutzbehörde des Landes Sachsen intensiv fachlich begleitet wird.


Was ist Baukultur?

Das Erzgebirge hat natürlich nicht die eine einzige, typische Bauform und überall sich gleichende Gestaltungsweisen. Schon die Größe der Region legt nahe, dass die jeweils typischen Gebäudeformen sich je nach Ort, der jeweiligen Geschichte und insbesondere nach ihren Höhenlagen unterscheiden. Gerade im Erzgebirge hat bereits die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zu einer Überformung und zu einem Verlust ursprünglich typischer Bauweisen geführt. Und auch das zusammenhangstiftende, bergbauliche Erbe, das nicht zuletzt die Baukultur prägte, hatte lokal unterschiedlichste Ausprägungen und tritt baulich in mannigfaltiger Weise in Erscheinung.

Und dennoch gibt es einen Begriff davon, wann ein Gebäude „erzgebirgisch“ aussieht: zuallererst sieht man da ein sehr hohes und sehr steiles, mit Schiefer oder Blech gedecktes Dach, das die erzgebirgischen Schneeunmengen auch heute noch schnell abführt. Unter ihm duckt sich ein Haus an den Gebirgshang, das manchmal als zweigeschossiger Bau mit magerem Fachwerk oder auch nur als eingeschossiges Häuschen in Erscheinung tritt. Daneben findet sich manchmal noch eine Scheune oder ein Schuppen, stabil gezimmert und mit Holzschalung versehen. In der Regel sind auch die Giebel mit einer hölzernen Verkleidung oder aber mit Schiefer beschlagen, ab und zu auch der ganze obere Stock oder zumindest die Wetterseite desselben. Insgesamt sind es aber doch oft mehr Häuschen als Häuser, wirkt alles eher bescheiden und zurückhaltend als protzig und prachtvoll.
Die erzgebirgischen Wohnhäuser sprechen selten von großem Reichtum oder drängen sich auf, sondern leben von der Wirkung ihrer Materialien –  Schiefer, viel Holz und Putz – von den guten Proportionen ihrer Fenster oder Gauben. Ab und zu findet sich natürlich auch ein schmückendes Element, eine gezierte Schwelle oder ein Muster in der Verschindelung. 

Aber wie die meisten ländlichen Bauten der vorindustriellen Zeit stehen sie vor allem in enger Verbindung zur umgebenden Landschaft. Freistehende Häuser fügen sich oft so in diese Landschaft ein, als wären sie aus ihr emporgewachsen. Auch ganze Ensemble wirken mit ihren spitzen Dächern nicht als störender Fremdkörper, sondern als zugehöriger Teil der Kulturlandschaft. Seinen stärksten Ausdruck findet diese Vorstellung vom „Hais`l am Barg“ am Gebirgskamm, dessen besonders raue Bedingungen die Erzählung von der erzgebirgischen Ärmlichkeit und Einfachheit prägen. Diese Einfachheit (zugespitzt könnte man sagen: Natürlichkeit) ist dabei als Stärke zu sehen, die nicht nur in vergangenen Bauten gefunden, sondern im Hinblick auf die Entwicklungen der Gegenwart auch in zukünftigen Bauten fortgeschrieben werden kann.