Der Verein

Vereinsziele

  • Erhalt und Weitergabe erzgebirgstypischer Baukultur und Architektur – das Arzgebirgshais’l
  • Wissensvermittlung zu handwerklichen Techniken, Materialeinsatz und Gestaltungsweisen
  • Aktive Seminare am Kammhaus in Heidersdorf
  • Fokus auf die baulichen Eigenarten des Erzgebirgskamms
  • Dokumentation wesentlicher baukultureller, erzgebirgstypischer Objekte – ob innovativer Neubau, Altbau oder Denkmal

Unsere Gruppe befindet sich noch in der Aufbauphase und mehrere Projekte sind für die kommende Zeit im Reifeprozess. Die Kammhaus-Seminare rund um Das Kammhaus in Heidersdorf sind unser erstes aktives, größeres und dauerhaftes Projekt. Das erste Seminar konnte im Jahr 2024 mit dem Lehrstuhl für Denkmalpflege und Entwerfen der TU Dresden stattfinden. Die Kammhaus-Seminare begleiten das Haus durch den Prozess seiner bewusst langsamen und rücksichtsvollen Instandsetzung, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gefördert und von der Oberen Denkmalschutzbehörde des Landes Sachsen intensiv fachlich begleitet wird.


Was ist Baukultur im Erzgebirge?

Das Erzgebirge hat natürlich nicht die eine einzige, typische Bauform und überall sich gleichende Gestaltungsweisen. Schon die Größe der Region legt nahe, dass die jeweils typischen Gebäudeformen sich je nach Ort, der jeweiligen Geschichte und insbesondere nach ihren Höhenlagen unterscheiden. Gerade im Erzgebirge hat bereits die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts zu einer Überformung und zu einem Verlust ursprünglich typischer Bauweisen geführt. Und auch das zusammenhangstiftende, bergbauliche Erbe, das nicht zuletzt die Baukultur prägte, hatte lokal unterschiedlichste Ausprägungen und tritt baulich in mannigfaltiger Weise in Erscheinung.

Und dennoch gibt es einen Begriff davon, wann ein Gebäude „erzgebirgisch“ aussieht: zuallererst sieht man da ein sehr hohes und sehr steiles, mit Schiefer oder Blech gedecktes Dach, das die erzgebirgischen Schneeunmengen auch heute noch schnell abführt. Unter ihm duckt sich ein Haus an den Gebirgshang, das manchmal als zweigeschossiger Bau mit magerem Fachwerk oder auch nur als eingeschossiges Häuschen in Erscheinung tritt. Daneben findet sich manchmal noch eine Scheune oder ein Schuppen, stabil gezimmert und mit Holzschalung versehen. In der Regel sind auch die Giebel mit einer hölzernen Verkleidung oder aber mit Schiefer beschlagen, ab und zu auch der ganze obere Stock oder zumindest die Wetterseite desselben. Insgesamt sind es aber doch oft mehr Häuschen als Häuser, wirkt alles eher bescheiden und zurückhaltend als protzig und prachtvoll.
Die erzgebirgischen Wohnhäuser sprechen selten von großem Reichtum oder drängen sich auf, sondern leben von der Wirkung ihrer Materialien –  Schiefer, viel Holz und Putz – von den guten Proportionen ihrer Fenster oder Gauben. Ab und zu findet sich natürlich auch ein schmückendes Element, eine gezierte Schwelle oder ein Muster in der Verschindelung. 

Aber wie die meisten ländlichen Bauten der vorindustriellen Zeit stehen sie vor allem in enger Verbindung zur umgebenden Landschaft. Freistehende Häuser fügen sich oft so in diese Landschaft ein, als wären sie aus ihr emporgewachsen. Auch ganze Ensemble wirken mit ihren spitzen Dächern nicht als störender Fremdkörper, sondern als zugehöriger Teil der Kulturlandschaft. Seinen stärksten Ausdruck findet diese Vorstellung vom „Hais`l am Barg“ am Gebirgskamm, dessen besonders raue Bedingungen die Erzählung von der erzgebirgischen Ärmlichkeit und Einfachheit prägen. Diese Einfachheit (zugespitzt könnte man sagen: Natürlichkeit) ist dabei als Stärke zu sehen, die nicht nur in vergangenen Bauten gefunden, sondern im Hinblick auf die Entwicklungen der Gegenwart auch in zukünftigen Bauten fortgeschrieben werden kann.